Bis wir fallen

 Buch-Trailer

Das Buch

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Handlung des Romans

Die 27-jährige Sophie trifft im Stadtpark auf Oliver, der vollkommen verzweifelt im Regen sitzt und vorgibt, ein schwerwiegendes Problem zu haben. Erst nach und nach gewinnt Sophie sein Vertrauen und findet heraus, dass Oliver der Herbst in Gestalt eines Menschen ist und seine Fähigkeit, die Jahreszeit einzuleiten und die Blätter fallen zu lassen, verloren hat. Weil die gesamte Natur zum Sterben verurteilt ist, versucht Sophie Oliver zu helfen. Auf der gemeinsamen Suche nach der Lösung dieses sonderbaren Problems erfahren sie nicht nur Unglaubliches über die Geheimnisse der Jahreszeiten. Sie fühlen sich auch immer mehr zueinander hingezogen – mit dramatischen Konsequenzen …

Leseprobe

  »Ich wollte dich nicht weiter aufhalten. Tut mir leid, Oliver.«
Er seufzte und schüttelte den Kopf.
»Ist schon in Ordnung…«, antwortete er und Sophie staunte ein wenig darüber, dass er sich schon wieder etwas beruhigt hatte. »Ich hatte dir ja auch versprochen, dass ich von alleine aufwachen würde. Alle Probleme hin oder her, mit fünfundzwanzig sollte man das wohl selbst hinbekommen. Vor allem, wenn man bei jemand Fremdem zu Gast ist. Ich weiß, du hast es nur gut gemeint.«
Sophie atmete auf, fragte sich aber dabei, warum es sie überhaupt so erleichterte, dass er ihr verzieh.
»Sah ich wirklich so schlimm aus?«, fragte sie Oliver.
»Naja, du hast wahnsinnig schwer geatmet und machtest ein Gesicht, als würde man dich im Traum foltern.«, antwortete sie leise. »War also insgesamt kein besonders schöner Anblick, den du dargeboten hast. Ich hab mir zugegebenermaßen ein bisschen Sorgen gemacht.«
Sein rechter Mundwinkel zuckte nach oben und er schenkte ihr ein schüchternes Lächeln.
»Du hast ein wirklich gutes Herz, Sophie«, sprach er langsam, »vermutlich hätte es ohnehin keinen Unterschied gemacht, ob ich wieder in aller Herrgottsfrühe zwischen den Bäumen herumgewandert wäre oder nicht. Die Kraft ist einfach verschwunden -.«
Sophie hob die Augenbrauen und sah ihn wissbegierig an.
»Na schön, um das mal ein wenig zu erklären, weil ich dir ansehe, dass du vor Neugierde fast platzt. Es gibt eine herbstliche Strömung, oder Energie, wenn du so willst. Ich bin Träger dieser Energie und sie verstärkt sich am Ende jedes Sommers in meinem unteren Bauch. Diese Energie ist dem Gefühl der Traurigkeit über einen Verlust, über eine unerwartete Trennung sehr ähnlich. Meine Aufgabe besteht nun darin diese Energie in die Natur zu lenken. Das ist meine Kraft, darum bin ich der Herbst. Deshalb habe ich auch so einen verwirrenden Effekt auf die Menschen, sie können einfach nicht mit dieser Kraft umgehen.«, fügte er hinzu.
»Und in diesem Jahr hat sich diese Kraft nicht in dir aufgebaut?«, fragte Sophie misstrauisch und versuchte ihre erneute Gänsehaut zu ignorieren. »Mein Körper spielt jedenfalls völlig verrückt, wenn ich in deiner Nähe bin.« Oliver schüttelte langsam den Kopf. »Das kann nicht sein, Sophie. Ich spüre zur Zeit nicht das Geringste davon«, erwiderte er frustriert.
Sophie stützte sich auf ihre Knie und stand abrupt auf. »Nun erzähle du mir nicht, was ich fühle, und was nicht. Die Haut an meiner Rückseite vibriert geradezu. Wie erklärst du mir das? Bilde ich mir das nur ein? Werde ich jetzt verrückt?«
Oliver stutzte.
»Sag das nochmal. Was passiert mit deiner Haut?«
»Sie vibriert, hörst du. Ist das normal in deinen Augen? Hat das etwa nichts mit dieser Kraft zu tun? Haben so bisher alle Menschen auf dich reagiert?«
Er zögerte. »Nein, außer dir bisher nur einer«, sagte er verwundert. Er setzte sich etwas aufrechter hin, drehte die Handflächen nach oben und sah traurig in sie hinein, ganz so, als gäbe es dort etwas Wichtiges zu entdecken. Dann schloss er sanft die Augen.
Darauf war sie nicht vorbereitet gewesen. Schlagartig erreichten alle Härchen auf ihrem Körper einen Winkel von neunzig Grad. Ein unbeschreibliches Gefühl entstand unter ihrem Bauchnabel, breitete sich kreisförmig von dort aus und floss in kühlen Wellen durch ihren Körper. Sie griff sich intuitiv an die Taille und schnappte nach Luft. Auch wenn es nicht unangenehm war, war das Gefühl so intensiv, dass sie beinahe loslachen oder schreien musste. Ihr war schwindelig und sie hatte den Eindruck den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ein Orgasmus war nichts dagegen, dachte sie noch. Dies hier war eine ganz andere Kategorie von Gefühl.
Oliver öffnete die Augen wieder und alles erstarb so schnell, wie es gekommen war.
»Was…war…das?«
Oliver saß stocksteif da und starrte sie an. »Du hast etwas davon gemerkt?«, fragte er sie entsetzt, »Das ist unmö…-«
»Gemerkt?! Was auch immer das war, es hat mich fast umgeworfen, Oliver«, unterbrach sie ihn.