In Memoriam

Ende letzten Jahres ist der Übersetzer von »Bis wir fallen«, der Kanadier Peter Hessel im stolzen Alter von neunzig Jahre gestorben.

Ich habe ihn zwar nur einmal persönlich getroffen, jedoch unzählige Male mit ihm telefoniert. Es beeindruckt mich noch heute, dass er in seinem Alter überhaupt einen derart modernen Text in einem vergleichsweise jungen Genre übernehmen wollte und die Übersetzung dann sogar weit besser umsetzen konnte, als ich das je für möglich gehalten hätte.

Ich war völlig verdutzt, als ich erst nach über zwei Monaten intensiver Zusammenarbeit herausfand, dass er weit über achtzig Jahre alt war. Nach seiner Stimme, Motivation und Sprache zu urteilen hatte ich ihn immer auf fünfzig geschätzt. Bei dem einzigen Treffen sagte mir der betagte, lustige Mann, dass er sich einfach immer neue Herausforderungen suche, um im Kopf fit zu bleiben. Junge Texte halten jung. Man muss ja wissen, was die Jugend heute so treibt.

Mit seiner Geistesschärfe in diesem Alter wird er für mich wohl immer ein Vorbild bleiben.

Er hing mir auch nach Ende unserer Zusammenarbeit noch lange damit in den Ohren, dass »Bis wir fallen« auf jeden Fall international verfilmt werden müsste. Das Buch würde ein Theaterstück in Hamburg werden. Gar ein Musical. Er war wohl mein größter Fan und hat von der ersten Sekunde daran geglaubt, dass dieser Roman unglaublich viele Menschen erreichen würde. Vielleicht, weil er als Kanadier den Herbst genau so mochte, wie ich. In Deutschland wird diese Jahreszeit ja nicht so gerne gesehen.

Ich würde Peter so gönnen, dass seine Arbeit zumindest noch posthum gewürdigt wird. Vielleicht werde ich ja irgendwann seine Verwandtschaft in Kanada besuchen, vor allem die Jungen unter ihnen haben laut ihm dabei mitgeholfen, dass sich »Till we fall« heute aufgrund der passenden und deutlich leichteren englischen Sprache so unfassbar gut liest.

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